25 11 09 + 18 - 7 zinzulo ergo sum

Irgendwann muss man sich entscheiden. Im weltweiten Netz nichts von sich bekanntgeben, das geht nicht, denn „zinzulo ergo sum“:
ich zwitschere, also bin ich.
In meinem blog schreibe ich seit 2002, bei youtube bin ich seit 2008, bei myspace und twitter seit 2009, bei facebook seit - ich weiß nicht, wo ich die info finde.

Du bist nicht mehr mein Freund – wenn social networks unsozial werden

Zur evangelischen Kirche gehöre ich seit 1962, in der Gewerkschaft bin ich seit 1984, außerdem in der Barmer Ersatzkasse, in der deutschen Rentenversicherung und manchmal in der Kneipe. Das ist die Summe meiner digitalen und analogen Vernetzung, doch wenn Frau und Kinder mal vier Tage zu Opa und Opa fahren, hilft mir kein Netzwerk, dann stehe, sitze oder liege ich alleine da und renoviere schnell mal das Wohn-und Kinderzimmer, um nicht ins Bodenlose zu fallen, plötzlich völlig haltlos ohne die feinen Fäden, die sich alltäglich erneut entspinnen zwischen Bubel-Gestrampel, Mädel-Gehüpfe und Mamma-Stoa.

Die Wand ist gestrichen und bevor der Teppich kommt, ist Zeit für den PC. Eine Nachricht, via mail, kein Betreff:

„auf deiner facebookseite ist eine neue person aufgetaucht, mit der ich absolut nix zu tun haben will. und ich will auch nicht, dass diese person auch nur liest, dass du was bei mir geschrieben hast. wärst du mir böse, wenn ich dich entfreunde? nee, ne?“

Wie bitte? Und noch eine mail vom selben Absender, Betreff: schon passiert.

„hab mich gerade von dir getrennt. wenn da ein entfreundungs-vermerk in deinem profil auftaucht, wäre es fein, wenn du den löschen könntest. danke.“

Nein, ich will gar nicht darüber nachdenken, dass da jemand seine persönlichen Animositäten mit mir verbindet und mich seinem Klein- doer Großkrieg opfert. Da ist was faul im Netz. Bekomme ich jetzt bald von facebook den Hinweis, dass auch folgende zweiundsiebzig Personen nicht Freunde von ihm sind?

Unsocial web 2.0. Hätte ich mal vorher länger darüber nachgedacht, dann wäre ich vielleicht darauf gekommen, dass es noch eine Steigerung gibt zum eitlen Freunde-Sammeln. Ich habe 62 Freunde. Neulich wollte ich einer Bekannten meine Freundschaft anbieten, um auf 63 zu kommen, doch die Antwort war: sie hat schon zu viele Freunde, um Dich noch aufnehmen zu können. Ich schaute nach, sie hatte 5000. Kein Platz mehr für mich. Es gibt also ein Freundes-Limit im Sozialnetz. Gibt es auch eine Warteliste, falls mal bei einem ihrer „friends“ jemand auffällig wird, weil der einen „friend“ hat, mit dem sie absolut nix zu tun haben will und auch nicht will, dass diese Person auch nur liest, dass er oder sie was bei ihr geschrieben hat, so dass sie sich von ihm oder ihr entfreundet und damit Platz für mich bei ihr ist?

Sobald sich die emotionalen Wogen in mir geglättet hatten, schien mir der Vorfall eine geeignete Ergänzung zur Erfahrung eines Bekannten zu sein. Der berichtete vergangene Woche, dass seine Frau bei einem reality-Farmspiel von facebook mitmacht. Sie muss täglich, ach was, stündlich, minütlich einen Bauernhof betreuen und dabei höllisch aufpassen. Wenn sie nachmittags nicht die Erdbeeren erntet, ist die ganze Investition futsch und sie macht Minuspunkte. Sie war so engagiert als virtuelle Netzwerkfarmerin, dass sie darüber vergaß, für ihr Kind das Mittagessen vorzubereiten.

Nun habe ich also einen Freund weniger. Kurz nachgeschaut und ich wusste, wegen wem sich da jemand von mir trennte, der mich nichtsdestotrotz übermorgen zu meinem Geburtstag freundschaftlich umarmen wird. Und ich wusste, dass das soziale Netz 2.0 auf seinem Weg ins Virtuelle die unsozialen Bestandteile der analogen Wirklichkeit einfach so mitgenommen hatte. Das Web 2.0, das ahnte ich schon, funktioniert nach dem Prinzip „Wissen ist Macht, denn Wissen macht mich wichtig“, dass es aber Eifersucht, Neid, Egoismus, Mobbing und Diskriminierung „all inclusive“ bietet, das war mir so deutlich noch nicht vorgeführt worden. Verwunderlich fand ich bislang nur, dass viele Freunde von vielen Kollegen vorwiegend Kollegen waren. Da könnte man ja jetzt mal über die Ethik der Arbeit diskutieren oder über den Unterschied zwischen Cybersex und einer entspannenden Vögelei. Kann man aber auch sein lassen und was Besseres suchen als den Status „ich bin drin“: ich geh jetzt raus, spazieren.

  
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